IHHT-Intervall-Training: gesund atmen

Die Prozesse einer Hypoxie-Hyperoxie-Therapie ähneln in ihrer Wirkung einem Höhentraining.

Im Rahmen der IHHT (Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie) wird gezielt eine Hypoxie (verminderte Sauerstoffzufuhr, ähnlich der Bergluft in höheren Höhen) eingesetzt, um verschiedene Anpassungsreaktionen in den Körperzellen zu induzieren.

Die Effektivität des Hypoxie-Trainings beruht auf der körperlichen Anpassung an den Sauerstoffmangel. Diese Reaktionen erfolgen auf zellulärer, molekularer sowie genetischer Ebene und sind entscheidend für den Therapieerfolg. Der Prozess initiiert die Bildung des Hypoxie-induzierten Faktors (HIF). Dieser beeinflusst den genetischen Apparat der Zelle, was letztlich die Zellregeneration und die Akklimatisierung fördert.

Die Funktion der Mitochondrien

Darstellung der menschlichen Lunge

Die Hauptwirkung wird in den Mitochondrien erzielt: defekte Mitochondrien werden eliminiert, die Entstehung neuer angeregt. Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen und wandeln Nahrungsenergie in Zellenergie um, sogenanntes ATP. Das ist das grundlegende Molekül für alle biochemischen Prozesse in unserem Körper. Im Rahmen verschiedener Erkrankungen kommt es zu einer Mitochondriopathie, d.h. die Anzahl ist reduziert oder geschädigt, so dass dem Körper weniger Energie zur Verfügung steht. Wir fühlen uns vermehrt erschöpft, der Weg aus akuten Infektionen heraus dauert länger, manche Zustände werden chronisch.

Wirkungen und Einsatzgebiete der IHHT

  • Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit: Erneuerung der Mitochondrien und vermehrte Bildung von EPO (Erythropoetin) in Leber und Niere.
  • Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems: Synthese von NO (Stickstoffmonoxid) und Gefäßneubildung durch VEGF (Gefäßbildender Faktor). Das dichtere Gefäßnetzwerk und elastischere Innenwände senken das Risiko für Blutgerinnsel, Herzinfarkte und Schlaganfälle.
  • Optimierung der Gehirnfunktion: Verbesserung der Nervenimpulsübertragung und Förderung der Bildung neuer Nervenzellen (Neurogenese).
  • Regulierung des Stoffwechsels: Erleichtertes Abnehmen durch gezielte Aktivierung und Hemmung von Stoffwechselsensoren sowie positive Effekte auf den Glukose- und Insulinstoffwechsel.
  • Effiziente Urlaubsvorbereitung: Aktives Höhentraining als optimale Anpassung an anstehende Wanderreisen.

ME/CFS

ME/CFS ist eine chronische, neuroimmunologische Multisystemerkrankung, die zu massiven körperlichen Einschränkungen führt und derzeit nicht heilbar ist. In Deutschland sind schätzungsweise 650.000 Menschen betroffen. Ein Viertel dieser Patientinnen und Patienten kann das Haus nicht mehr verlassen; viele sind bettlägerig und dauerhaft auf Hilfe angewiesen.

Häufig beginnt die Erkrankung nach einer Infektion und zählt damit zu den postakuten Infektionssyndromen (PAIS). Typische Auslöser sind das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber) oder eine Infektion mit COVID-19. Die genauen Krankheitsmechanismen sind bisher nicht vollständig geklärt, weshalb es keine zugelassene kurative Behandlung gibt. Ein konsequentes Energiemanagement (Pacing) ist für Betroffene unerlässlich.

Eine zentrale Rolle spielen mitochondriale Dysfunktionen. Diese führen zu Immundysregulation, oxidativem Stress, persistierenden Viren oder Antigenen sowie zu Mikrozirkulationsstörungen. Die Betroffenen leiden in der Folge unter kognitiven Einschränkungen (»Brain Fog«), Schmerzen, chronischer Schwäche, Muskel- und Durchblutungsstörungen sowie schweren Schlafstörungen.

Wie lässt sich eine mitochondriale Dysfunktion behandeln?

  • Mikronährstoffe: Sie können entzündungshemmend wirken und den zellulären oxidativen Stress effektiv reduzieren.
  • Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT): Das Höhentraining führt durch die Herabsetzung des Sympathikotonus zu einer tiefen Entspannung des Nervensystems. Es fördert die Regeneration der Mitochondrien und verbessert die Durchblutung. Dies führt zu einer langfristigen Zellregeneration und dämmt chronische Entzündungsprozesse (Silent Inflammation) ein.

Seit der Corona-Pandemie konnten wir fundierte Erfahrungen in der Behandlung von ME/CFS sowie von Impfschäden (Post-Vac-Syndrom) sammeln und zahlreiche Betroffene mit der IHHT begleiten. Insgesamt ist die IHHT ein vielversprechender Ansatz. Sie ist jedoch nicht für alle Erkrankten gleichermaßen geeignet, weshalb die Therapie eine sorgfältige Patientenauswahl und ein individuell angepasstes Protokoll erfordert.

IHHT: Das Training in der Praxis

Vorgespräch und Diagnostik
Zu Beginn erfolgt ein ausführliches Anamnesegespräch, bei dem die Therapie genau erklärt wird. Gemeinsam werden die Indikation sowie die individuellen Therapieziele festgelegt.

Therapiesitzung (Zelltraining)
Sie liegen entspannt auf einer Wärmeliege und atmen über eine Maske im Wechsel sauerstoffarme und sauerstoffreiche Luft. Die 50-minütige Sitzung wird mittels Pulsoxymetrie und Brustgurt überwacht. Ein initialer Hypoxietest ermittelt Ihre Belastungsfähigkeit und den Trainingsplan. Für optimalen Erfolg umfasst das Training 10–12 Einheiten.

Anpassung und Nachsorge
Am Ende der letzten Sitzung erfolgt eine abschließende Nachbesprechung. Auf dieser Basis werden die weiteren Intervalle oder notwendige Erhaltungssitzungen individuell festgelegt.

Begleitende Mikronährstoffanalyse